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Berlin Bicycle Week & Fahrradschau 2016 - So wars

23.03.2016 12:34 | Berichte

Nachdem ich letztes Jahr gerade mal ein paar Stunden für die Fahradschau und der gleichzeitig stattfindenden VeloBerlin zur Verfügung hatte, habe ich diesmal mit vier Tagen Aufenthalt in der Haupstadt etwas großzügiger geplant.

Mir war wichtig, dieses Mal mehr von den im gesamten Stadtgebiet verteilt stattfindenden Veranstaltungen der Bicycle Week mitzunehmen und außerdem wollte ich auch unbedingt mein Rad dabei haben, um flexibel durch die City zu kommen. Ersteres klappte eher mittelprächtig (dazu später mehr...), letzteres war definitiv eine gute Entscheidung – wenn auch mein alter Motobécane-Halbrenner mit Materialermüdung zu kämpfen hatte.

Mittwoch früh gings vom Hamburger ZOB per Bus nach Berlin. Bisher hatte ich noch keine Erfahrungen bei der Fahrradmitahme in einem Fernbus. Da ich der Einzige mit Rad war, fragte mich der Fahrer, ob ich ein Problem damit hätte, das Rad einfach in den Gepäckraum zu legen. Er bräuchte dann nicht extra den Gepackträger hinten am Bus anbringen. Da der Boden mit Teppich ausgelegt war, welcher ein Hin- und Hergerutsche wohl verhindern würde, willigte ich ein. Klappte aber alles prima. (Später bei der Rückfahrt war es übrigens ganz genauso...)

Angekommen in Berlin ging es erst einmal mit der U-Bahn quer durch die Stadt nach Friedrichshain, um dort bei Freunden das Gepäck abzuladen. Erster Termin sollte dann eigentlich der Tweed Ride sein, der um 15:00 Uhr am Brandenburger Tor starten sollte. Leider quatschten wir uns fest und beschlossen um 16 Uhr bei der Zwischenstation mit Picknick im Englischen Garten dazuzustoßen. Ab 15:45 Uhr waren wir vorort und warteten bei herrlichem Sonnenschein bis 16:30 Uhr. Aber niemand auf Retrorädern und in Tweed-Klamotten erschien. Schade! Doch den bei Facebook zu findenden Fotos nach, fand es dennoch statt. Aber eventuell ohne Picknick?

Abends wollte ich dann weiter zum Fahrradladen Mehringhof, wo man Lastenräder probefahren konnte und mit Suppen- und Bierbike  kulinarisch versorgt sowie mit dem Soundbike musikalisch unterhalten werden sollte. Auch dazu kam es leider nicht. Fieseste Magenkrämpfe führten zur Absage aller meiner abendlichen Termine.

Am nächsten Morgen war das Gedärm wieder hergestellt und es ging zuerst auf die Suche nach einer Werkstatt. Der Pedalarm der linken Kurbel hatte sich gelöst und bereits reichlich Spiel. Ich lieh mit Werkzeug und zog den Arm wieder fest. Da Nachmittags nichts besonderes auf dem Programm stand, beschloss ich relativ spontan, an einer von Berlin On Bike geführten Tour auf dem Mauerradweg teilzunehmen. Durch eine Kooperation mit verschiedenen E-Bike Herstellern konnte man hier die neuesten Modelle probefahren. Berlin on Bike bietet seit 2004 verschiedene Touren zu unterschiedlichen Themen an und verfügt über 500 Leihräder.

Start war direkt vor der Station Berlin in deren Räumlichkeiten ja auch die Fahrradschau stattfindet. Wir waren eine recht kleine Gruppe mit etwa acht Teilnehmern.

Ich entschied mich, auf dem Modell "Upstart" von dem, mir bisher unbekannten, Londoner Hersteller Momentum Electric zu starten. Momentum Electric hat sich auf besonders leichte und schlichte aber auch günstige E-Bikes spezialisiert. Das Pedelec "Upstart" ist mit Automatik-Schaltung versehen und liegt vom Gewicht her bei ca. 16 kg und preislich bei 1400€. Da es "mein erstes Mal" auf einem E-Bike war, war die Unterstützung noch etwas ungewohnt aber eigentlich mal ganz nett. Bis auf die Bremsen, die sehr ruckartig arbeiteten, und den dicken Akkuklotz gefiel mir das Modell "Upstart" recht gut.

Die Tour ging etwa 15 km in zwei Stunden immer entlang des ehemaligen Verlaufs der Berliner Mauer durch die Stadt. Immer wieder hielten wir an besonderen Orten wie der Bernauer Straße und dem Mauerpark an. Unser Guide erklärte hier die geschichtlichen Zusammenhänge und erzählte von dramatischen Fluchtversuchen, die sich zu DDR-Zeiten an diesen Orten abspielten. Mitte der Tour wechselte ich auf das "Contro E-Rigid" von Canondale. Dieses liegt vom Preis her mit 3000€ deutlich höher. Die Sitzposition war hier etwas entspannter als beim "Upstart" und die Scheibenbremsen gefielen mir besser. Rein optisch ist das futuristische Design mit der Lefty-Gabel aber gar nichts für mich.

Danach ging es für mich weiter nach Neukölln, wo meine nächste Übernachtungsmöglichkeit war. Am Abend hatte ich vor, bei der "langen Nacht der Fahrradläden" bei dem Fahrradhersteller Ostrad live bei der Entstehung eines Fahrrads zuzusehen. Aber erst wollten wir etwas essen. Leider hatte ich mich nicht genau informiert wie lange die "lange Nacht" denn gehen würde. Um ca. 23 Uhr kam ich in den Produktionsräumen in der Greifswalder Straße an. Alles dunkel. Alles dicht. Der (zu) späte Blick in das Programm verriet, dass die Versanstaltung bis 22 Uhr gehen würde. Tja, schlecht vorbereit. Dumm gelaufen. Hätte ich mir gerne angesehen.

Freitag morgen war die erste Station wieder ein Fahrradladen. Der Kurbelarm war schon wieder locker.

Danach ging es raus nach Treptow wo mein nächstes und letztes Übernachtungsquartier lag. Ich musste mir noch etwas die Zeit vertreiben und fuhr kreuz und quer durch und um den Treptower Park.

Nachdem ich das Gepäck los war, ging es weiter zum Tempelhofer Feld, wo um 14 Uhr ein  Lastenradrennen stattfinden sollte. Wieder war ich zu spät vor Ort und verpasste so die Qualifikationsrennen. Ich sah mich in der Pause vor den Finalrennen etwas um und freute mich an der enormen Vielfalt an Lastenradtypen. Bullits mit verschiedenen Aufbauten, aber auch viele Selbstbauten. Insgesamt war gar nicht viel Publikum vor Ort. Eigentlich waren es fast nur Cargobike-Fahrer.

Gestartet wurde ohne Last. Nach der ersten Runde musste jeder Teilnehmer eine vorgeschriebene Anzahl von verschieden Objekten aufladen. Dann kamen die zwei entscheidenen Runden. Aber auch beim Einladen sollte man sich etwas konzentrieren. Ein Fahrer vergaß ein Transportgut mitzunehmen, musste wieder umdrehen und erst einmal die Ladung vervollständigen...

Hier noch ein paar Eindrücke in Form von Fotos vom Cargobikerennen und dem Drumherum:

         

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

 

Nachdem die finalen Races durch waren, machte ich mich wieder auf nach Schöneberg zur Station Berlin, da um 18 Uhr die Fahrradschau eröffnet werden sollte. Besonders voll war es am ersten Tag noch nicht.

Ich drehte erst einmal eine Runde durch die verschiedenen Bereiche "Ambition & Handmade!", "Urban Lifestyle", "Velo Couture", "E-Mobility", "Travel & Tour" und "Supermarked" um mir erst einmal einen Überblick zu verschaffen.

Danach ging es in die "Event Arena", wo um halb sieben die "Singlespeed Cyclocross Europameisterschaften" starteten. Dieser Wettkampf geht erst in das dritte Jahr. Vorher fanden die Meisterschaften in Frankreich und in den Niederlanden statt.

Hier scheint es neben dem eigentlichen Wettkampf, aber auch um jede Menge Spaß zu gehen. So hatten einige Teilnehmer Tiermasken auf, Superman-Umhänge um oder trugen Kleider.

 

Auf der Fahrradschau präsentierten nicht nur die großen Hersteller wie Campagnolo, Specialized, Giant oder Trek ihre neuesten Räder, sondern es stellten auch verschiedene fahrradbezogene Projekte ihre Arbeit vor. Da wäre z.B. "Rückenwind", die in Berlin (wie die Hamburger Kollegen von "Westwind") alte Räder aufarbeiten und für geflüchtete Menschen wieder flott machen.

Anderes ähnliches Beispiel wäre "Lobetaler Upcycle" aus Bernau nördlich von Berlin.

Hier kann man seinen alten Drahtesel komplett aufarbeiten lassen. Dies geschieht in einem sozialen Projekt – in einer Werkstatt für Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Beim "Standard-Upcycle" wird der Rahmen sandgestrahlt und neu nach Farbwunsch pulverbeschichtet. Die Originalteile werden aufgearbeitet bzw. ausgetauscht und ein Frontgepäckträger mit Holzkiste angebaut. Die Standard-Aufarbeitung kostet 350€. Nach Wunsch kann aber auch Sonderausstattung wie Nabendynamo oder unplattbare Reifen verbaut werden – gegen Aufpreis versteht sich.

Wo wir gerade bei "unplattbaren Reifen" waren, habe ich eine gute Überleitung zu "Tannus", die eben solche auf der Fahrradschau vorstellten. Beworben werden die luftlosen Reifen als "die einzigen wirklich unkaputtbaren Fahrradreifen auf dem Planeten".

Die Tannus-Reifen sind aus "Aither", einem extrem belastbaren und recycelten "High-Tech Polymer Nano Schaum" und sollen 100% pannensicher sein. Halten sollen Sie bei gleichen Gewicht doppelt so lange wie herkömmliche Schlauchreifen. Verfügbar sind die Reifen in 13 verschiedenen Farben und nutzbar für alle handelsüblichen Felgengrößen.

Neben Fahrrad-Mode ("Velo Couture") und Zubehör wurden auch viele velophile Accessoires wie Taschen aus Fahrradschlauch oder auch Geschirrhandtücher mit Fahrrad-Motiven (Bei Bibi Berlin) angeboten.

Auch superpraktisch: ein stilvoller 4-fach Bananen-Träger aus Leder für den sicheren Transport falls die Kraft unterwegs nachlässt.

Bleiben wir gleich beim Obst: Ebenso stilsicher wie der Helm in Melonenform von (in diesem Fall) gleichnamigen Hersteller Melon.

Die richtig fahrradverrückten Besucher konnten sich gleich vor Ort am Stand von UCI Velothon Majors gratis ein Bike-Tattoo stechen lassen.

Velo BlingBling in Form von goldenen Ketten und dem Futura Colnago Konfetti-Rahmen gab's bei Cicli Berlinetta.

Samstagmorgen suchte ich auf dem Gelände der Station vergeblich die angekündigte Werkstatt. Mir wurde dann mitgeteilt, dass die Räumlichkeiten an diesem Tage anderweitig benötigt wurden und es daher am Samstag gar keine Service-Station gab. Der Pedalarm war nun wieder locker und ich wollte diesen unbedingt noch fixieren damit ich irgendwie zurück zum ZOB komme.

Also erst einmal wieder nach Kreuzberg, da ich die Läden in der Nähe,die mir vorgeschlagen wurden, nicht gefunden habe. Dabei habe ich leider kostbare Zeit verloren, die mir dann an meinem letzten BBW-Tag fehlte.

Zurück bei der Fahrradschau, wo es am zweiten Tag mächtig Andrang am Eingang gab, ging es erst einmal in den Eventbereich zum Bärlin Pedäl Bättle. Hier handelt es sich um eine Art Ritterspiele hoch zu (Stahl)ross, also Kampfspiele auf dem Rad. Die verschiedenen Disziplinen bei diesen Wettkampf lauteten u.a. "Ritzelwerfen", "Schwertkampf" und "Ben-Hur".

Mitverfolgt habe ich nur das "Nüsseknacken" in voller Länge. Hier musste man im Vorbeifahren Nüsse, welche auf Holzpfählen lagen, mit einem Hammer treffen.

Schade, dass dieser Spaß nicht nach draußen verlegt werden konnte. In die Halle passte es nicht so recht.

In der Event Arena der Fahrradschau gab es aber auch noch andere Bike-Action wie Bike Polo, ein Mini Race Track und verschiedene Parcours.

 

 

 

   


Dann nahm ich Abschied von der Fahrradschau, denn ich wollte noch zum Tempelhofer Feld wo um 14 Uhr ein Hochradrennen stattfinden sollte.

Ich wusste vorher nicht, wieviele Teilnehmer wohl hier zu erwarten seien, aber letztendlich waren es keine zehn Fahrer, die sich an die Startlinie begaben.

Da der Untergrund des ehemaligen Flughafengeländes sich nicht optimal für ein Rennen eignete, entschuldigte sich ein holländischer Fahrer dafür, dass man hier nicht wirklich Geschwindigkeit aufnehmen könnte.

 

Es war aber ein schönes Bild die Fahrer auf dieser ursprünglichen Form des Fahrrads, dem sogenannten "Penny-farthing", zuzusehen

 

 

 

 

 

 

 

Für ein "Rennen" sah das Ganze aber eher recht gemütlich aus.

Das Hochrad-Rennen war ein schöner Abschluss der Berlin Bicycle Week 2016. Im nächsten Jahr werde ich ein bisschen mehr Zeit in die Vorbereitung stecken müssen, um etwas koordinierter zu den verschiedenen Veranstaltungen zu gelangen. Gerade dass ich nichts von der "Langen Nacht der Bike-Shops" mitbekommen habe, ärgert mich immer noch etwas.

Im Oktober präsentiert die Berlin Bicycle Week erstmalig die "Wiener Fahrradschau". Sicher ein guter Anlass, mal wieder einen Ausflug nach Wien zu unternehmen.

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